Startseite > Thema: Im Spätsommer die Erde
Autorin: Petra Rebha Kaiser

Bild: Kornfeld im Spätsommer, „Die Natur ist reich und hat Fülle.“
Die fünf Elemente und das Erleben der Wandlungsphasen
Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – die Wandlungsphasen der östlichen Medizin und Philosophie – bilden ein System, das den Menschen in seiner Gesamtheit betrachtet. Die fünf Elemente sind Kräfte, deren Wirkung nicht nur in allen Naturerscheinungen, sondern auch in uns selbst spürbar werden. So wie die Jahreszeiten das Geschehen in der Natur prägen, so folgt auch das Leben elementaren Zyklen. Sprießen und Wachstum – Blüte – Reifen – Ernte – Ruhephase.
Die Kraft der Erde bringt uns in unsere Mitte – Ausgleich zwischen Yin und Yang
Das Element Erde repräsentiert den „Altweibersommer“, jene spezielle Zeit am Ende des Sommers und vor dem Herbst, die oft einen besonderen Zauber hat. Die Sonne steht im Zeichen der Jungfrau. Die Natur ist reich und hat Fülle. Äpfel und Getreide werden im Überfluss geerntet, die Vorratskammern und Speicher gefüllt, so dass die Versorgung im Winter gewährleistet ist.
Diese Jahreszeit ist eine wichtige Übergangszeit in der Natur. Im Frühling und Sommer, wenn die Yang-Energie dominiert, bringt die Wärme der Sonne Wachstum, Blüte, Lebendigkeit und Freude hervor. Im Herbst und Winter, der Yin-Periode des Jahres, überwiegen die Kräfte der Dunkelheit und bewirken Rückzug, Stille und Konzentration auf das Wesentliche. Dazwischen liegt die Erde, der Ausgleich zwischen Yin und Yang, die Mitte.
Mit beiden Beinen im Leben stehen
Die fruchtbare und stabile Erde, die wir unsere Mutter (-erde) nennen, gibt uns nicht nur die Nahrung, die wir essen – sie ist auch der tragende Grund, auf dem wir stehen und uns zur Ruhe legen. Erdhaft und geerdet zu sein bedeutet, mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Menschen mit einer gesunden Erde sind innerlich ausgeglichen, voller Gleichmut und stiller Zufriedenheit. Ganz in sich ruhend fühlen sie sich in diesem Leben Zuhause und geborgen und dieses Gefühl können sie auch weitergeben an andere. Die archetypische Figur dieser Wandlungsphase ist die „Große Mutter“, Mutter Erde, die andere nährt und umsorgt, ihnen Mitgefühl und Sympathie entgegenbringt, ohne sich dabei selbst zu verausgaben. So entsteht eine freundliche Atmosphäre, in der man sich wohl fühlt und ein offenes Ohr für die eigenen Sorgen und Nöte findet.
Die Erde im Ungleichgewicht – Gelüste auf Süßes
Menschen mit einem Ungleichgewicht im Erde-Element fehlt dieses Gefühl der Geborgenheit und das Gefühl, dort, wo man gerade ist, Zuhause und willkommen zu sein. Den Hunger nach Zuwendung und Sicherheit verwechseln sie häufig mit dem Hunger nach Nahrung. Essen und speziell Süßes wird zur Ersatzbefriedigung, zu der Menschen mit einer schwachen Erde rasch greifen, wenn sie sich auf emotionaler Ebene unbefriedigt und frustriert fühlen.
Viele Menschen haben Gelüste auf Süßigkeiten, wenn sie das Gefühl bekommen, den großen Alltagsstress nicht mehr bewältigen zu können, und unkonzentriert und müde werden. Der süße Geschmack entspannt, macht „glücklich“ und baut Energie auf. Das ist ja toll – oder? Vergessen wir dabei jedoch nicht, dass unser Körper nicht sagt, „Iss Schokolade!“, sondern lediglich nach süßem Geschmack verlangt. Da gibt es natürliche Süße, wie in Getreide und gedünstetem Obst.
Nahrungsaufnahme und Verdauung – das zentrale Thema der Erde
Das Element Erde ist von zentraler Bedeutung für die Nahrungsaufnahme und Verdauung. Die Organe Magen und Milz/Bauchspeicheldrüse empfangen die Nahrung, wandeln sie um und verteilen die über die Nahrung gewonnene Energie im ganzen Körper. So können wir über die Art und Weise, wie und was wir essen, die Gesundheit unserer Erde wesentlich beeinflussen. Regelmäßige Mahlzeiten, in Ruhe essen und die Nahrung gut kauen und ohne belastende Gespräche. Geschäftliche Besprechungen und aufreibende Diskussionen beim Essen sind ganz ungesund, wir nehmen mit der Nahrung auch den Stress auf. Besonders günstig für Magen und Milz sind erdfarbene oder gelbe – gelb ist die Farbe der Erde – und natürlich süße Nahrungsmittel, z.B. Karotten, Rüben, Kartoffeln, Kürbis, Fenchel, Kastanien und alle Getreide wie Hirse, Hafer und Weizen. Als Zuckerersatz sind Datteln, Feigen, Rosinen und Honig zu empfehlen.
Was zur Stärkung der Erde noch gut ist – ein paar praktische Tipps
Gartenarbeit, wandern, barfuß laufen, African Dance - alles, was uns mit den Füßen auf den Boden bringt. Körperpflege, Shiatsu und andere Massagen sowie alles, was uns in unserem Körper mehr Zuhause fühlen lässt. Singen, allein oder gemeinsam mit anderen oder summen. Alle Übungen zur Stärkung unseres Haras, der „Erdmitte des Menschen“, z.B. das „Telefonbuchatmen“.
„Telefonbuch-atmen“Lege dich flach auf den Rücken und plaziere zunächst ein Telefonbuch einer großen Stadt – ein anderes dickes Buch tut es auch – auf dein Hara (=Bauch). Nun atme tief in deinen Bauch, so dass sich das Telefonbuch hebt und senkt. Übe so 10 bis 15 Minuten lang. Je nach Bedarf kannst du das Gewicht langsam steigern und weitere Bücher dazu legen.
Die Autorin Petra Rebha Kaiser leitet die SHENDO® Shiatsu Institute Dresden–Leipzig. „Shen“ bezeichnet eine dem Herzen zugeordnete Kraft der Bewußtheit, der Freude und der Begeisterung. „Do“ ist der Weg, „Shiatsu als Weg der essentiellen Berührung von Körper, Geist und Seele“. Sie ist Heilpraktikerin und Körpertherapeutin mit eigener Praxis in Berlin. Einen Kontakt finden Sie unter Shendo.de oder per E-Mail an rebha (at) gmx.de.
Von Petra Rebha Kaiser erschienen in naturel bisher folgende Texte.
Im Sommer – das Feuer. Die fünf Elemente und das Erleben der Wandlungsphasen.
Shiatsu - Entspannung für Körper, Geist und Seele
Veröffentlicht in der Zeitschrift naturel, Ausgabe Oktober 2005.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages naturel.